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Neokolonialismus im Internet

Eroberung Afrikas mit illegalen Mitteln: Die Berliner Firma Rocket Internet besetzt in elf afrikanischen Staaten die Websites der Konkurrenz.

___HOMEPAGE-MAPDie Berliner Internetfirma Rocket Internet ist bekannt dafür, nicht gerade zimperlich zu sein. Wie am Fließband kopiert sie andere Internetfirmen und setzt darauf, durch aggressive Expansion zum Marktführer zu werden. Zalando ist hierzulande die bekannteste Rocket-Firma, doch das Unternehmen drängt längste in bislang von Internetkonzernen unerobertes Terrain in Südostasien oder Afrika vor.

In Nigeria bauen die Berliner derzeit in rasantem Tempo unter dem Namen Jumia eine Amazon-Kopie für den afrikanischen Kontinent auf. Innerhalb von weniger als zwei Jahren ist Jumia auf 1500 Mitarbeiter angewachsen. Das Kalkül: Bevor sich die US-Konzerne in afrikanische Länder mit schlechter Infrastruktur wagen, beherrschen die Klonfirmen schon den Markt.

Dass die Deutschen sich bei der Eroberung Afrikas nicht lange mit Recht und Gesetz aufhalten, hat ein nigerianisches Start-Up hat zu spüren bekommen. Mit Konga.com hatte der Nigerianer Sim Shagaya im Juni 2012 eine Firma gegründet, die auch zum Amazon für Afrika werden will. Inzwischen ist sie von 10 auf 70 Mitarbeiter angewachsen und gilt als größter Konkurrent für die Rocket-Firma Jumia.

Rocket Internet hat das wohl kommen gesehen – und entschied sich für ein präventive Maßnahme, um die Expansion des Konkurrenten einzudämmen. Im gleichen Monat, in dem Konga in Nigeria überhaupt erst gegründet wurde, sicherte sich Rocket die Konga-Domainnamen in elf anderen afrikanischen Staaten. Von der Elfenbeinküste (Konga.cd) bis nach Kenia (Konga.co.ke) besetzt Rocket nun die Domain-Namen der Konkurrenz. Während Jumia inzwischen auch in diesen Ländern das Geschäft hochzieht, heißt es für die Konkurrenz: Expansion ausgeschlossen.

Strafen bis zu 100.000 US-Dollar
Eine solche virtuelle Landnahme ist nach internationalem Recht illegal. In den USA drohen dafür Strafen von bis zu 100.000 US-Dollar. In vielen afrikanischen Ländern gibt es allerdings bislang überhaupt keine Gesetzgebung für Internetfirmen. Gerichtsprozesse sind kostspielig und könnten gerade lang genug dauern, um den Berlinern einen uneinholbaren Vorsprung in den neuen Märkten zu sichern. Ein Konga-Sprecher sagte der Berliner Zeitung, dass so das nigerianische Start-Up ausgebremst werden solle.
Auf Anfrage erklärte Rocket Internet nur, der Vorgang werde geprüft. Doch Rocket-Insider bestätigen die Strategie. Das Vorgehen sei allerdings nicht ungewöhnlich in Afrika, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Es gebe wenig gesetzlich Sicherheit und auf allen Seiten werde mit harten Bandagen gekämpft.
Tatsächlich holte auch Konga zum Gegenschlag aus – und sicherte sich jumai.com.ng, eine Vertipper-Domain der Rocket-Firma Jumia. Wer einen Buchstaben vertauschte, landete beim Konkurrenten Konga. Inzwischen hat Konga die Domain aber wieder freigegeben. Man wolle das Gesetz nicht selbst in die Hand nehmen, sagte ein Sprecher. Stattdessen werde man zur Not nun in allen elf Staaten klagen.
Bevor es dazu kommt, könnten allerdings mächtige Schweden ein Machtwort sprechen. Denn Hauptinvestor von Konga ist mit der schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik ausgerechnet der wichtigste weltweite Geldgeber der Rocket-Firmen. In Nigeria haben sich die Schweden entschieden, auf Nummer sicher zu gehen – und einfach in beide Amazon-Klone investiert.